Geschichte & Zeitgeist

Die wechselvolle Geschichte des Schlosses Münichau und ihrer Besitzer beginnt im 15. Jahrhundert. Es ist die Welt vor 500 Jahren, die für uns heute kaum noch vorstellbar ist. Sie befand sich im Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit – schöpferisch, verwirrend und zerstörerisch. Die Gotik wird von der Renaissance abgelöst, und der Humanismus, die Wiederentdeckung der antiken Werte, breitet sich in Europa aus. Mit dem Humanismus gelangt auch die Astrologie nach Europa und passt sich dem christlichen Glauben an. Der Gruß durch Hutabnehmen wird immer häufiger, doch Löffel und Gabel benutzen bis ins 16. Jahrhundert nur die Vornehmen. Das Volk isst mit den Fingern.

In Spanien wird die Herrschaft der Mauren gebrochen, dafür stürmen vom Osten her die Türken auf das christliche Abendland ein. Christoph Kolumbus, der 1492 Amerika entdecken wird, kommt 1451 zur Welt. Friedrich der III., Herzog von Steiermark und Kärnten, wird ein Jahr später zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ gekrönt. Er und sein Sohn Maximilian I., der 1493 als „der letzte Ritter“ auf dem deutschen Kaiserthron folgt, legen trotz gelegentlicher Rückschläge das Fundament für die Habsburger Großmacht.

In jener Zeit lebte zu Kitzbühel in Tirol Wilhelm von Münichawe als herzoglich-bayrischer Amtspfleger und Landrichter (1437-1481), der das vollständige Wappensiegel, den Mönch (Mittelhochdeutsch: Münich) mit Schild und Helm-Wappen der Münichauer in der Mitte des 15. Jahrhunderts visier führen durfte. Wilhelm oder sein Vetter, Hans Münichauer der Jüngere, sollen jene Lehnsherren gewesen sein, die das Schloss Münichau in seiner heutigen Form als Ansitz erbaut haben. Hans Münichauer war damals Stadt- und Landrichter von Rattenberg (1450-1477). Er nannte sich Hans Münichauer von Münichau und ihm gehörten nachweislich um Kitzbühel große Ländereien. Die Originalurkunde, die das Schloss erstmals erwähnt, ist leider verschollen. In alten Schriftstücken ist nur von der Schlosskapelle die Rede, die 1469 eingeweiht wurde. (Ein Jahr zuvor starb Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen, gegossenen Lettern.)

Die Münichauer waren immer schon Amtsleute der Bamberger Bischöfe. Sie zählten zu dem niederen bayrischen Landadel. Damals gehörte Kitzbühel zu Bayern. Die ältesten Aufzeichnungen berichten 1271 davon, dass ein Otto von Münichawe und seine Ehefrau Elsbetha, ihre Kinder sowie Mathilde, Tochter des Ritters von Chufstein, mit der Kirche von Bamberg einen Erbvertrag schlossen. Die Urkunden der Münichauer wiesen schon im 14. Jahrhundert den Mönch im Amtssiegel auf, aber noch ohne Schild und Visier. Den Mönch führten damals auch andre bayrische Adelsgeschlechter in ihrem Wappen. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Mönchlein der Stadt München – das „Münchner Kindl“.

Anfang des 15. Jahrhunderts sitzen einige Münichauer als Landrichter zu Hohenaschau in Bayern oder als Lehnherren des Pfalzgrafen und Herzogs Stefan von Bayern. Ein Münichauer brachte es sogar zum Gesandten des Herzogs Ludwig von Bayern am Hof des Herzogs Siegmund von Österreich.

Mehr erfahren die Geschichtsforscher von Gilg von Münichau, der in den alten Urkunden als erster „Ritter von Münichau“ und „Doktor der Rechte“ ausgewiesen wird. Vermutlich war er der Sohn von Hans Münichauer, dem Rattenberger Richter und Münichauer Schlossherrn.

Der gelehrte Ritter Gilg muss ein abenteuerlicher Bursche gewesen sein. Er pilgerte 1483 nach Jerusalem und ging keinem Raufhändel aus dem Weg. Gerne prügelte er sich mit Bauernburschen und seinem Gesinde. Angeblich soll er im Schloss auch eine Folterkammer eingerichtet haben. Gilg von Münichau war von 1488 bis 1494 Amtspfleger zu Kitzbühel. Zwei Jahre später belehnte ihn der Dekan zu Bamberg mit dem Schloss Münichau, das in alten Urkunden als „mit Zwinger und Mauerumbfangen“ beschrieben wird.

Die Kitzbüheler Schlösser waren ursprünglich der Sitz eines kleinen Landadels, der sich nicht leicht tat seine Stellung gegenüber dem Kitzbüheler Bürgertum und gegenüber den Bauern zu behaupten“, berichtet heute der Innsbrucker Stadtarchivar Dr. Klaus Kogler. „Um aber ihre gehobene und gesonderte Stellung offenbar zu machen, bedurfte es eines Wohnsitzes, der sich deutlich vom Bürger- und Bauernhaus unterschied.“ So sind die Kitzbühler Edelsitze, darunter das Schloss Münichau, Ausdruck einer sich vom Leben der Bürger und Bauern abhebenden Lebensart.

Das Land in der Mitte Europas, das man auch Deutschland nennt, zerfällt inzwischen in machtlose Territorien, ‚Fürstentümer und Freie Städte. Überall regiert die Kirche hinein. Papst Innozenz VIII. leitet im Jahre 1484 mit der „Hexenbulle“ dem wohl schlimmsten Erlass in der Kirchengeschichte, die Ketzer- und Hexenverfolgung ein. Schon vorher hatte es gerade im deutschsprachigen Raum mit Billigung der Kirche schlimme Ausschreitungen gegen Andersdenkende gegeben. Mit der Bulle trefflich ausgerüstet, beginnen die Inquisitoren ihr Henkerswerk, insbesondere in den Diözesen Mainz, Köln, Trier und Salzburg. Wer den kirchlichen Hexenmeistern auffiel, hatte sein Leben schon verwirkt.

Trotz aller Missstände wie auch dem Ablasshandel, steht das religiöse Leben in hoher Blüte. Neben dem „finsteren Mittelalter“, weht der frische Wind der Renaissance. Wissenschaft, Technik und Künste entfalten sich wie nie zuvor. Per Henlein baut die erste Taschenuhr, das „Nürnberger Ei“. Die erste ständige Postverbindung zwischen Wien und Brüssel wird aufgenommen und der Silbergulden in Deutschland und Österreich als Zahlungsmittel eingeführt. Auch die Päpste fördern mit Macht Wissenschaften und Künste, obwohl das Papsttum, damals ein politischer Machtfaktor ersten Ranges, am Vorabend der Reformation allmählich schamlos verweltlicht. Papst Julius II. (1503-1513) nimmt Michelangelo und Raffael in seine Dienste und gibt den Bau der Peterskirche in Rom in Auftrag. Die sixtinische Kapelle ist das künstlerische Prunkstück dieser Zeit.

Ritter Gilg von Münichau indessen blieb auch Anfang des 16. Jahrhunderts Schlossherr von Münichau, obwohl er 1507 nach Wasserburg am Inn verzogen war. Ein Jahr zuvor hatte er noch von Kaiser Maximilian I. das „Gejaid zwischen Selbis- und Klausenbach bei Kitzbühel sowie den Schwarzsee“ als Lehen erhalten. Im Jahre 1515 soll Gilg Oberrichter zu Landshut gewesen und kurz danach gestorben sein. Der unternehmungslustige Ritter war dreimal verheiratet. Seine dritte Frau übergab nach dem Tod ihres Mannes das Schloss ihrem Schwiegersohn Onophrius von Freiberg, der mit ihrer Stieftochter Helene verheiratet war. Helene war wohl die interessanteste Münichauerin.

In ihre Zeit fällt auch die Reformation Martin Luthers. Während der Glaubenskämpfe waren die Habsburger zur Mächtigsten Dynastie Europas aufgestiegen – im Reich Kaiser Karl V. (1519-1596) „ging die Sonne nicht unter“.

Die Lehren des großen Reformators hatten gerade in Tirol zahlreiche Anhänger gefunden. Aber auch die radikale Bewegung der Wiedertäufer, einer protestantischen Sekte, die unter dem Sozialrevolutionär und Bauernführer Thomas Münzer gegen die Kindertaufe war. Sie hatte unter den Knappen der umliegenden Silber- und Kupferminen eine respektable Anhängerschaft. Auch Helene von Freiberg, die letzte Münichauerin, trat zum Glauben der Wiedertäufer über. Sie beherbergte 1529 – damals belagerten erstmals die Türken Wien – im Schloss Münichau Sektenanhänger, die von der Obrigkeit verfolgt wurden. Sechsundsechzig von ihnen wurden in Kitzbühel hingerichtet. Als Helene selbst um ihr Leben fürchten musste, flüchtete sie 1530 auf das Schloss ihres Mannes nach Aschau. Was weiter geschah, berichtet der Tiroler Geschichtsforscher Hofrat Dr. Eder nach alten Aufzeichnungen:

Vierzig Reiter mit Geschütz und den Landfahnen der Gerichte Kling und Wasserburg zogen unter Hauptmann Peter Gall am ersten Sonntage des Jahres 1530 vor Schloss Aschau und verlangten von Onophrius von Freiberg die Auslieferung seiner vom Glauben abgefallenen Frau; sie war jedoch bereits aus dem Schlosse entwichen. Herzog Wilhelm schrieb nun anfangs Februar des Jahres 1530 an die tirolerische Regierung, die nötigen Maßnahmen zu treffen, um die Sektiererin, die ihren Mann in Aschau verlassen habe und auf ihr Schloss Münichau geflohen sei, daselbst gefangen zu nehmen. Die tirolische Regierung, die in jener Zeit ihre Haupttätigkeit der Aufspürung der Wiedertäufer zuwandte, deren sie in den Jahren 1528 und 1529 zu Kitzbühel allein 66 hinrichten und verbrennen ließ, säumte nicht und schickte am 12. Februar eigens den Untermarschall Erasmus Offenhauser – Untermarschall  war damals der stolzklingende Titel für einen ganz gewöhnlichen Polizeibüttel – an den Stadt- und Landrichter in Kitzbühel mit dem Auftrag, Schloss Münichau zu besetzen und die „Freibergerin“ zu verhaften. Die Nachforschungen in Münichau waren allerdings vergeblich, doch erfuhr man, dass die Übeltäterin nach Eppan in Südtirol geflohen sein; infolgedessen wurde der Pfleger zu Altenburg, Karl Fuchs zu Hocheppan, mit ihrer Aufspürung und Gefangenahme betraut. Inzwischen war diese Sache auch dem König Ferdinand mitgeteilt worden, welcher in einem Schreiben aus Prag vom 03. April 1530 die Güter der Freibergerin in Tirol nach den bestehenden Verordnungen gegen Sektierer als der Krone verfallen erklärte und die tirolische Regierung mit der Einziehung der Güter zu seinen Händen beauftragte. Infolgedessen erließ die Regierung am 19. April 1530 ein offenes Mandat an Onophrius von Freiberg, an seine flüchtige Frau, an alle Verwandten, Gläubiger und alle, die Ansprache oder Forderung an die Sektiererin hätten, mit dem Auftrag, sich am 20. Juni 1530 bei der Regierung in Innsbruck einzufinden. Außerdem wurde der Richter von Kitzbühel beauftragt, alle Güter der Flüchtigen zu inventarisieren. Doch zum endgültigen Verluste des Schlosses sollte es nicht kommen: die Söhne der Helene von Freiberg und andere der Familie nahestehende Verwandte, darunter auch Kardinal Bernhard von Cles von Trient, baten den König um Rücknahme der Konfiskation; dieser ließ sich durch ihre Bitten erweichen und beauftragte die tirolische Regierung mit Schreiben vom 18. Juni 1530 aus Augsburg, das Schloss Münichau samt allen zugehörigen Gütern den Söhnen der noch immer flüchtigen Helene von Freiberg wieder erfolgen und zustellen zu lassen und „gnedigcklich zu schencken“. Die eigentliche Beurkundung dieses Gnadenaktes oder wie es hieß „Donation und Entschlagbrief um Münichau“ stellte König Ferdinand am 1. Juli desselben Jahres aus. Zwei Jahre später wurde Helen von Freiberg begnadigt, jedoch verhalten, ihren Irrglauben öffentlich zu widerrufen. Dazu war sie allerdings nicht zu bewegen; im Oktober 1534 wurde ihr der öffentliche Widerruf erlassen; sie erklärte dann endlich vor dem Delegaten der tirolischen Regierung zu Innsbruck, von ihrem Irrglauben abzustehen. Nun durfte sie wieder nach Aschau, um dortselbst bei ihrem Manne die letzten Tage ihres Lebens zu beschließen …“

Helene, die letzte Münichauerin, vererbte Schloss Münichau ihren Söhnen Pankratz und Christoph Georg von Freiberg. Die Erben der streitbaren Münichauerin zeigten am Schloss freilich wenig Interesse. Ausgenommen zur Jagd, hielten sie sich dort kaum auf. Schließlich verkauften sie den Familienbesitz am 08. Juli 1538 an den Ritter Mathäus Lang, Rat der Königlichen Majestät und Regent zu Innsbruck, und dessen Brüder für 7500 rheinische Gulden.

Die Langs waren ein angesehenes Adelsgeschlecht weit über Kitzbühel hinaus. Deren Vetter, Mathäus Lang von Wellenberg, war einer der bedeutendsten Männer im Kreis um Kaiser Maximilian I. Als Sohn eines verarmten Augsburger Patriziers um 1468 geboren, studierte er an den Universitäten in Ingolstadt, Tübingen und Wien. Der tüchtige Studiosus machte schließlich in Wien eine glänzende Karriere als Diplomat und Finanzberater Kaiser Maximilians. Schließlich wurde er Bischof, Kardinal (1512) und vier Jahre später Erzbischof von Salzburg. Dort residierte er bis zu seinem Tode im Jahre 1540.

Kurz vor seinem Ende besuchte er das Schloss Münichau und weihte die Schlosskapelle neu.

Als das Geschlecht der Langs ausstarb, fiel das Schloss mit seinen Ländereien gleich an sieben Erben. Von ihnen zeigte lediglich der Fürst-bischöflich-salzburgische Rat Siegmund von Lamberg an Münichau Interesse. Er trug den Titel Siegmund Freiherr zu Ortenegg und Otterstein. 1579 zog Siegmund in die älteste Stadt Österreichs ob der Enns (Laureacum). Zehn Jahre später wurde er Landeshauptmann zu Linz und Landmarschall von Niederösterreich.

In erster Ehe war Siegmund mit Leonora Siguna Sidonia Fugger verheiratet, der Stammmutter der Kitzbühler „Lamberge“. Ihnen gehörten schon die umliegenden Schlösser Lebenberg und Kapsburg. Um 1600 schickte Siegmund seinen Sohn Raymund als Administrator nach Kitzbühel. Er muss wohl um 1562 geboren sein, denn 1600 ist er „khratt 40 Jar alt“. Was damals geschah, erzählt ein Briefauszug, den Raymund 1611 an einen Vetter schrieb:

„Wohlgeborner Freiherr, insbesonders freundlicher, geliebter Herr Vetter und Bruder,

…Kitzbühel ist nimmer wie vor Jahren; der Bauern Verderben, Unhältigkeit, Lügen und Betrügen nimmt täglich zu. Was sie von den Soldaten werden noch weiter begreifen, wird man mittlerer Zeit noch mehr inne werden. Ich hab gemeint ich komm ins Paradies, als ich die Zeitung gehabt, dass man das Raittnerisch Fähndl Knechte, so hier gelegen, abdanken werde. Jetzt, da solches geschehen, plagt man uns von neuem mit 200 Liechtenstainischen Knechten. Was die vorigen über gelassen, sollen sie aufzehren. Zuletzt haben wir nichts und sie nichts, wollens auf Pfälzisch darnach halten: den Zapfen vom Fass und den Löffel auf’n Hut stecken und ein anderes Land auch ausfressen.

Ich hätte Dir Herrn, wunder viel und seltsame Sachen, die ich jetzt zu Innsbruck erfahren hab, zu communicieren. Es lassen sich aber diese Dinge der Feder nicht vertrauen. Vielleicht gibt es bald die Zeit, dass wir persönlich zusammenkommen müssen, so verricht ich alsdann meine mündliche Relation, wie es die Zeit mitbringen wird. Ich hab diese Fasnacht, darinnen doch meiner Schwester Hochzeit eingefallen, aussetzen müssen, dass ich nicht hab gegen Salzburg kommen können, daran mich das feindselige Kriegswesen gehindert, hätte mich sonst mit solcher Gelegenheit beworben, alda die obgemelten 400 fl. aufzubringen. Bitt also dienstlich, mir den Verzug nicht in Ungutem zu vermerken. Es ist mir wahrhaftig ein schweres Anliegen gewesen, dass ich Dir, Herrn, manchiert hab. Ich hab dem Khloner geschrieben, er soll sich bemühen, die 400 fl. völlig aufzubringen und dem Schinagl an Deiner, Herrn, statt auszuzahlen, vielleicht beschieht es noch. Entgegen bitt ich, wegen der gewöhnlichen Quittung gedacht zu sein. Hiermit beschließend, verbleib ich Herrn Vetter und Bruder jederzeit dienstwilliger – Raymund von Lamberg …“

Raymund von Lamberg starb am 8. Oktober 1618. Er litt, so in alten Briefen, an „Melancoley, je länger, je schwerer“. In diesem Jahr brach auch der „Dreißigjährige Krieg“ aus, der mit dem Aufstand der böhmischen Protestanten begonnen hatte.

Die uralte Adelsfamilie der Lambergs hieß früher „Rittersberg“. Als ein Spross des Adelsgeschlechts am Bein lahm geworden war und von den Kitzbühlern den Spitznamen „der Lahme“ bekommen hatte, nannten sie sich später derer von Lamberg. Einer der damaligen Lehnsträger von Münichau, Freiherr Georg Siegmund von Lamberg (1568-1632), war der Stifter des zweiten Hauses Lamberg und Geheimer Rat bei Kaiser Rudolf II.

Er heiratete 1607 Johanna della Scala aus dem fürstlichen Geschlecht der Scaliger von Verona. Ihr Familienwappen zeigt eine Leiter mit springenden Hunden im roten Feld. Nach dem Tod ihres Mannes wurde die ehemalige Fürstentochter der Veroneser Schlossherrin zu Münichau. Ihre Söhne wurden 1636 von Kaiser Ferdinand III. bei seiner Krönung in Regensburg in den Reichsgrafenstand erhoben und erhielten das Recht, ihr Wappen mit dem der della Scala zu vereinen: Zwei aufrechtstehende, silberne Windhunde mit goldenen Halsbändern, die eine goldene Leiter mit vier Sprossen halten. Die jungen Reichsgrafen hatten Höheres im Sinn als in Kitzbühel zu bleiben und verkauften am 23. August 1652 das Schloss Münichau an Johann Raymund Reichsgraf von Lamberg für 13.900 Gulden.

Während der Ansitz durch die Generationen der Lamberger weitergegeben wurde, bewohnten das Schloss meist nur noch Verwalter und Gesinde. Obwohl das Land Tirol verhältnismäßig wenig unter den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges zu leiden hatte, kam 1643 eine kleine Schar schwedischer Reiter bis kurz vor Münichau. Die Lanzenreiter der Schweden wurden schließlich in Sichtweite vom Schloss, zwischen Kitzbühel und Kirchberg, von den Kaiserlichen zurückgeworfen. In der „Schwedenkapelle“ am Klausenbach steht auf einer Tafel der Spruch: „Bis hierher und nicht weiter – kamen die schwedischen Reiter.“ Ein älteres Bild in der Kapelle zeigt am Bach schwedische Lanzenreiter, die Reitern in bäuerlicher Tracht gegenüberstehen. Unter dem Bauernhaufen fällt ein Priester im Ornat auf, der in der linken Hand das Kruzifix hält und in der rechten einen Säbel.

Kitzbühel nahm in jener Zeit in der Tiroler Kunstwelt eine hervorragende Stellung ein und behielt sie bis etwa ins Jahr 1800. Die Silber- und Kupferbergwerke sowie die großen Bauernhöfe um Kitzbühel machten das Bürgertum reich. Nirgendwo sonst in Tirol konzentrierten sich so viele Baumeister, Maler, Bildhauer, Kunstschmiede und Ofenbauer wie im Kitzbühler Regierungsbezirk.

Dabei machten sich vor allem die künstlerischen Einflüsse aus Salzburg und Bayern bemerkbar. Renaissance, Früh-, Hoch- und Spätbarock erlebten hier eine Blütezeit. Die Malereien, Skulpturen und Hochaltäre der Kitzbühler Künstler, die damals aus allerlei handwerklichen Berufen kamen, sind heute sowohl in den Kirchen um Kitzbühel, als auch in Salzburg, München und Altötting zu bewundern.

Inzwischen war Johann Philipp von Lamberg, ein Enkel von Georg Siegmund und dessen italienischer Frau Johanna della Scala, Fürstbischof von Passau geworden. Er überredete 1696 Johann Raymund den Älteren, die Erbgüter durch einen Scheinkauf an ihn zu übertragen. Dafür wollte er Raymunds Sohn, einen Kapuzinerpater, die Bischofswürde verleihen. Mit diesem anrüchigen Handel sind alle gräflichen Herrschaftsgüter, darunter Münichau, an die fürstliche Linie des Hauses Lamberg gefallen. Der Kardinal starb 1712 in der Abtei St. Emmeran zu Regensburg. Seine Güter vermachte er seinem gleichnamigen Neffen. Graf Johann Philipp d. Jüngere, Freiherr zu Ortenegg und Ottenstein, Herr der Herrschaft Steyr und Kitzbühel, war Oberstlandjägermeister in Tirol, Kaiserlicher Kämmerer und Hofkammerrat zu Passau.

Ihre Glanzzeit erlebten die Lambergs im 18. Jahrhundert, als Kardinal Graf Leopold Matthias von Lamberg 1707 in den Reichsfürstenstand erhoben worden war. Sein Taufpate Kaiser Leopold (1658-1705) machte das Haus Österreich-Ungarn zu einer europäischen Großmacht und schlug die Türken entscheidend am Kahlenberg vor den Toren Wiens.

Nach dem Tod des Grafen Johann Philipp d. Jüngeren, fiel das Schloss Münichau 1735 an Johann Ferdinand Reichsgraf von Lamberg. Sein Neffe, Johann Friedrich Joseph, Reichsfürst von Lamberg, beerbte ihn. Er war der Sohn des Fürsten Franz Anton uns der Ludowika Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen. Das Anwesen, von der Herrschaft nur selten bewohnt, verfiel immer mehr, da „immerdar etwas zu reparieren vorfallet“, so in einem Schreiben aus dem Jahre 1780.

In diesem Jahr starb auch Kaiserin Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich. Vierzig Jahre lang hatte sie von Wien aus mit wechselnden Erfolgen regiert. Maria Theresia, deren Bild auch noch in der neueren Literatur im Mythos zu erstarren drohte, herrscht in der Kitschvorstellung als einzige Kaiserin mit 16 Kindern. Ihr Vater, Kaiser Karl VI., dachte ursprünglich gar nicht daran, seine Tochter zur künftigen Herrscherin zu erziehen – er hoffte auf einen Sohn, bekam aber keinen. Hin- und hergerissen, schrieb ein englischer Historiker, habe Karl VI. zwar Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um seiner Tochter die Erbfolge in seinen Ländern zu verschaffen, aber auch gleichzeitig alles getan, um sie zur Regierung dieser Länder unfähig zu machen. Der völlig unerwartete Tod ihres Vaters bescherte der Dreiundzwanzigjährigen die österreichische Monarchie. In einem Kampf auf Leben und Tod um die Erhaltung ihres Erbes gegen eine übermächtige Koalition ihrer Gegner Preußen, Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien, konnte sie schließlich ihr väterliches Erbe bewahren – mit Ausnahme von Schlesien, das sie an ihren großen Gegenspieler König Friedrich II. von Preußen verlor.

Am 4. Mai 1799 belehnte Kaiser Franz II., ein Enkel Maria Theresias, Carl Eugen Reichsfürst von Lamberg mit der Herrschaft von Kitzbühel. Wie viele Vorbesitzer kehrte auch er nur zu Jagdzeiten im Schloss Münichau ein. Als der Reichsfürst 1831 in Linz starb, erbte sein Sohn Gustav Joachim von Lamberg den Fürstentitel und die Kitzbühler Ländereien. Nach dessen Tod im Jahre 1862 erlosch der Fürstentitel des Hauses Lamberg. Grund: Seine Kinder entstammten einer nichtstandesgemäßen Ehe. Fürst Gustav Joachim war mit einer Bürgerlichen Katharina Hradek, verheiratet gewesen. Sie hatten acht Kinder.

Sein Erbe, Carl Graf von Lamberg, ließ zumindest das Dach des Schlosses mit neuen Schindeln decken und bewahrte somit das ehemals stolze Jagdschloss vor dem totalen Verfall. Doch das war nur ein Aufschub. Den Todesstoß erhielt das Schloss im Sommer 1914, knapp drei Wochen nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares in Sarajewo und wenige Tage vor Beginn des Ersten Weltkrieges. An diesem 15. Juli zog ein schweres Nachtgewitter vom Wilden Kaiser her nach Kitzbühel. Um zehn Uhr abends schlug ein Blitz in das benachbarte Wirtshaus ein, wo heute der Gasthof Münichau steht. Der Holzbau fing sofort Feuer und griff auf das Schindeldach des linken, runden Schlossturms über. Schnell stand das ganze Schlossdach in Flammen. Am nächsten Morgen war der ehemalige Edelsitz nur noch eine rauchende Ruine.

Der damalige Besitzer des Schlosses Max Cajetenfref von Lamberg, war gleich zu Kriegsbeginn an die Front geschickt worden. Er ahnte nicht, dass inzwischen eine Schar Bauarbeiter mit Spitzenhacke und Schaufel das Schlossgemäuer demolierte. Sie brauchten das Gestein zum Wiederaufbau für das abgebrannte Wirtshaus nebenan.

Obwohl Denkmalschützer in der Tiroler Presse und sogar in Wien gegen die barbarische Demontage Sturm liefen, fiel auch noch die Schlosshofmauer der Spitzhacke zum Opfer. Angesichts der schrecklichen Kriegsereignisse, hatten die Leute andere Sorgen, zumal die Tiroler vor ihrer Haustür gegen die Italiener kämpften.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb 1921 der k. und k. Hofrat a. D. Oskar Lobmeyr von Hohenleithen die Ruine für achtzig Kronen.

Doch das Aussehen von heute verdankt das Schloss Münichau ihren neuen Besitzern. Die Brüder Josef, Hanns und Ernst Harisch aus einer angesehenen Kitzbühler Hoteliersfamilie, bauten 1957 den ehemaligen Edelsitz nach alten Plänen zu einem erstklassigen und überaus gemütlichen Hotel aus.

Ihnen gelang das seltene Kunststück, das fünfhundert Jahre alte Baudenkmal ohne Stilbruch mit viel Geschmack und Liebe zum Detail in eine moderne Nobelherberge umzufunktionieren. Davon, und wie inzwischen Hanns und Rosemarie Harisch das Schloss mit neuen Leben erfüllen, kann sich heute jeder Gast selbst überzeugen.

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Schloss Münichau
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